Milans zweite Garde glänzt in Eindhoven

PSV Stadion, Eindhoven – 09.12.1992 – Gruppenphase
PSV
PSV
Romário 66
1 - 2
Milan
  • Rijkaard 19
  • Simone 62
Milan
Offener Schlagabtausch

"Die Mannschaft hat heute perfekt gespielt" - Fabio Capello

1992/93

• Der französische Stürmer Frank Sauzée eroberte bei der ersten Auflage der UEFA Champions League mit fünf Treffern die Torjägerkrone. Unter anderem gelang ihm in der Gruppenphase beim 6:0-Sieg von Olympique de Marseille gegen PFC CSKA Moskva ein Dreierpack.

• Marseille krönte sich zum ersten französischen Gewinner des Wettbewerbs. Beim 1:0-Sieg im Finale gegen den AC Milan im Münchner Olympiastadion erzielte Abwehrspieler Basile Boli kurz vor der Pause nach einem Eckball das einzige Tor des Spiels.

• Rangers FC ging kein einziges Mal als Verlierer vom Platz. Trotzdem zog Marseille anstelle der Schotten ins Finale ein, da die Rangers im letzten Gruppenspiel gegen CSKA Moskva nicht über ein torloses Remis hinauskamen.

Der in der Serie A seit 58 Spielen ungeschlagene AC Milan, für den Marco van Basten zum Start der Gruppenphase gegen IFK Göteborg vier Tore erzielt hatte, ging als haushoher Favorit in das Spiel gegen PSV Eindhoven. Doch am Ende verdankten die Mailänder ihren knappen Sieg nicht den üblichen Verdächtigen wie Van Basten, Jean-Pierre Papin, Daniele Massaro oder Aldo Serena, sondern zwei Spielern aus der zweiten Reihe.

Die Mannschaft von Fabio Capello begann in Eindhoven furios und ging schon bald durch eine niederländische Co-Produktion in Führung. Van Basten setzte sich auf dem linken Flügel gegen Raymond Beerens durch und hob den Ball auf den langen Pfosten, wo Frank Rijkaard aus kurzer Distanz einköpfte.

Rijkaard war der überragende Spieler auf dem Platz, aber auch er konnte nicht verhindern, dass die Mailänder eine Chance nach der nächsten liegen ließen und den niederländischen Meister so ins Spiel zurückholten. Und der hatte keinen Geringeren als Romário in seinen Reihen, der Brasilianer hatte vor 14 Tagen beim 2:2 gegen den FC Porto noch beide Tore für die PSV erzielt.

In der zweiten Hälfte schien Milan dann ein wenig ins Hintertreffen zu geraten, zumal auch noch Ruud Gullit nach einer Stunde verletzt vom Platz musste. Doch der für ihn eingewechselte Stefano Eranio lieferte keine 120 Sekunden später eine perfekte Flanke auf Marco Simone, der am kurzen Pfosten Torhüter Hans van Breukelen tunnelte.

Doch noch war diese Partie nicht entschieden. Romário lupfte den Ball, mit dem Rücken zum Tor und Paolo Maldini im Nacken, in die Höhe, kontrollierte ihn mit dem Knie und drehte sich mit einer zauberhaften Pirouette um die eigene Achse, um das Leder dann mit Vehemenz unter die Latte zu katapultieren. Doch Milan ließ sich nur kurzfristig beirren und brachte die drei Punkte souverän nach Hause, einzig Van Breukelen und der Pfosten seines Tores verhinderten einen höheren Erfolg der Rossoneri.

"Die Mannschaft hat heute perfekt gespielt", sagte Capello. "Wir hätten den Sack eher zumachen können, aber wir legen die Messlatte auch immer sehr hoch an. Wir haben es jetzt selbst in der Hand, das Finale zu erreichen. Simone war herausragend."

Der 23-Jährige gab sich anschließend äußerst bescheiden. "Ich bin jederzeit bereit, mich auch wieder auf die Bank zu setzen", sagte er. "Wir haben 25 großartige Spieler im Kader und im Sturm gibt es Spieler, die schon den Ballon d'Or gewonnen haben. Unsere Siegermentalität ist unglaublich. Papin hat mir nach meinem Tor als Erster gratuliert, auch wenn er nicht gespielt hat."

Schlüsselspieler

  • Romário

    Romário, einer der besten Torjäger aller Zeiten, hat Titel auf vier Kontinenten gewonnen. Keiner war im Strafraum so eiskalt wie der bullige Stürmer, der bei Brasiliens Triumph bei der FIFA-Weltmeisterschaft 1994 der erfolgreichste Torschütze des Turniers war - insgesamt brachte er es auf 55 Treffer in 70 Länderspielen. Romário gewann Titel mit der PSV Eindhoven und dem FC Barcelona, dabei erzielte er fast in jedem Spiel einen Treffer. Mittlerweile ist er Trainer und Politiker, doch er wird uns wohl immer als begnadeter Torjäger in Erinnerung bleiben.

  • Simone

    Simone debütierte in der Serie A für Calcio Como vier Tage vor seinem 18. Geburtstag. Drei Jahre später wechselte er dann zum AC Milan. Trotz der großen Konkurrenz im Angriff bestritt er für den Klub nahezu 250 Spiele, ehe er beim AS Monaco FC und Paris Saint-Germain FC anheuerte. Mittlerweile ist der zweifache Europapokalsieger als Verwalter, Agent und Trainer aktiv.

  • Rijkaard

    Rijkaard war beim Gewinn der UEFA-Europameisterschaft 1988 ein wichtiger Bestandteil der Defensive der niederländischen Nationalmannschaft, wurde aber auch im Mittelfeld eingesetzt. Als Teil der großen drei Niederländer beim AC Milan gewann er in seinen ersten beiden Jahren jeweils die Königsklasse - im Finale 1990 erzielte er sogar den Siegtreffer. Fünf Jahre später holte er die gleiche Trophäe als Kapitän von AFC Ajax. Seither trainierte er den FC Barcelona und die Elftal.

Was passierte als nächstes?

• Der AC Milan gewann alle sechs Gruppenspiele und zog damit ins Finale ein, das gegen Olympique de Marseille überraschend mit 0:1 verloren wurde. Basile Boli erzielte im Münchner Olympiastadion kurz vor der Pause das goldene Tor.

• In der folgenden Saison gewann Milan durch einen 4:0-Finalsieg die UEFA Champions League. Daniele Massaro war zweimal erfolgreich, als der FC Barcelona im Stadion OACA Spiros Louis von Athen bezwungen wurde.

• Das Finale 1993 sollte das letzte Spiel von Marco van Basten sein, zu dieser Zeit war er FIFA-Weltfußballer des Jahres und hatte gerade zum dritten Mal den Ballon d'Or gewonnen. In dieser Saison erzielte er 20 Tore in 22 Spielen.

• Acht Tage nach der Partie gegen PSV gab Marco Simone sein Länderspieldebüt, insgesamt lief er viermal für Italien auf. Obwohl er bei Milan starke Konkurrenz wie etwa Roberto Baggio hatte, brachte er es auf 245 Einsätze und 74 Tore.

• Obwohl Romário in 21 Ligaspielen 25 Treffer für die PSV Eindhoven machte, reichte es in der Eredivisie nur zum zweiten Platz hinter Feyenoord. Am Ende der Saison wechselte der Stürmer zum FC Barcelona.

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