United-Joker stürzen Bayern ins Tal der Tränen

Camp Nou, Barcelona – 26.05.1999 – Endspiel
Man. United
Man. United
Sheringham 90+1 Solskjær 90+3
2 - 1
Bayern
  • Basler 6
Bayern
Zurück aus der Versenkung

"Es ist der schönste Moment meines Lebens. Ich kann es nicht ganz begreifen" - Sir Alex Ferguson

1998/99

• Manchester United FC erzielte in der Gruppenphase einmalige 20 Tore - dabei gab es je ein 3:3 auswärts und zu Hause gegen den spanischen Meister FC Barcelona - und kam in die K.o.-Runde, obwohl man nur zwei der sechs Gruppenspiele gewinnen konnte.

• Juventus, Galatasaray AŞ und Rosenborg BK beendeten die Gruppe B mit jeweils acht Punkten; Türken und Norweger schieden aus, einzig Juve erreichte - mit nur einem Sieg - das Viertelfinale.

• FC Dynamo Kyivs Andriy Shevchenko und Manchester Uniteds Stürmer Dwight Yorke waren mit je acht Toren die besten Torschützen dieser Saison in der UEFA Champions League.

Manchester United FC definierte die Redensart "Totgesagte leben länger" unter Sir Alex Ferguson neu. Die Red Devils wurden unter seiner Ägide schon oft für tot erklärt, doch ein ums andere Mal weilten sie anschließend wieder unter den Lebenden. Im Camp Nou im Mai 1999 waren sie nicht nur tot, sondern wurden im Sarg bereits in der Grube versenkt. Doch dann schwangen sich zwei Auswechselspieler auf, das Comeback der Comebacks zu fabrizieren.

Es war ein gnadenloser Schlag für den FC Bayern München, der über 85 Minuten die Führung nach einem Freistoßtor von Mario Basler innehatte und über weite Strecken die Partie dominierte. United fehlte das gesperrte Duo Roy Keane und Paul Scholes enorm, was sich im Mittelfeld besonders deutlich zeigte.

Die englischen Anhänger unter den 90 245 Zuschauern begannen allmählich zu zweifeln, Sir Alex jedoch nicht. Er hatte das alles schon mal erlebt. Zuletzt im Halbfinale gegen Juventus, als sein Team im Stadio Delle Alpi bereits mit 0:2 zurücklag, die Partie aber noch mit 3:2 gewinnen konnte und ins Finale einzog.

In Barcelona wechselte der United-Trainer Teddy Sheringham ein und brachte neun Minuten vor Ende noch Ole Gunnar Solskjær. Die Zielgerade im Blick offenbarten beide Teams noch einmal Schwächen in der Defensive. Solskjær verpasste knapp, und dann traf Carsten Jancker mit einem Fallrückzieher die Latte des United-Tors. Das Ende so nah, aber gleichzeitig doch so fern für Bayern. Die roten und weißen Bänder, welche am Pokal befestigt wurden, sollten letztlich nicht für sie bestimmt sein.

Die Uhr im Stadion zeigte bereits die 90. Minute, als sich United eine Ecke herausspielte. Der Ball kam in den Strafraum, wurde geklärt, kam aber nur bis zu Ryan Giggs, der die Kugel wieder in den Sechzehner beförderte, wo sie Sheringham genau vor die Füße fiel. Der Stürmer fackelte nicht lang und verlängerte den Ball ins Tor. Nach dem unglücklichen Eigentor der Red Devils beim Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der Gruppenphase war die Revanche nun so gut wie perfekt.

Sheringham hatte sein Tagewerk aber noch nicht vollendet. Zwei Minuten später stieg er hoch, um David Beckhams Ecke zu Solskjær zu verlängern, der das 2:1 für United erzielte. Manchester schwebte auf Wolke sieben und die Bayern waren am Boden zerstört. Doch München musste nicht lange warten, um selbst den Titel in Händen zu halten.

Schlüsselspieler

  • Matthäus

    Matthäus, den Diego Maradona einmal als seinen größten Gegenspieler bezeichnet hat, begann seine fantastische Karriere als Mittelfeldspieler und wechselte gegen Ende seiner fast zwei Jahrzehnte umfassenden Laufbahn auf den Liberoposten. Seine ersten Länderspiele bestritt er noch als Spieler des VfL Borussia Mönchengladbach, doch seine große Zeit hatte er beim FC Bayern München und FC Internazionale Milano. Seinen Karrierehöhepunkt erlebte er 1990, als er die FIFA-WM gewann und zum Weltfußballer des Jahres gekürt wurde.

  • Schmeichel

    Schmeichel war ein überragender Torhüter, der mit großartigen Reflexen, aber auch mit guter Technik glänzte, hinzu kam seine ausgeprägte Persönlichkeit. Der dreifache dänische Meister (mit Brøndby IF) hatte seine beste Zeit in seinen acht Jahren bei Manchester United FC. 1999 holte er mit den Engländern als Kapitän nicht nur die UEFA Champions League, sondern auch das nationale Double. Bei der EURO '92 war er ein Garant für den dänischen Sensationssieg.

  • Giggs

    Giggs ist nicht nur der erfolgreichste Spieler im englischen Fußball, sondern gewann 2009 als erster Spieler überhaupt zum elften Mal die Meisterschaft in der Premier League. Der flinke linke Flügelspieler feierte schon mit 17 Jahren sein Debüt für Manchester United FC und die Nationalmannschaft von Wales, seither eilte er bei ManU von Rekord zu Rekord. 2008 übertraf er im Endspiel der UEFA Champions League Sir Bobby Charltons Bestmarke von 758 Spielen für United. In seiner 20-jährigen Laufbahn im ManU-Trikot gewann er vier Mal den FA Cup, drei Mal den Ligapokal und zwei Mal die UEFA Champions League.

Was passierte als nächstes?

Der FC Bayern München beendete die Bundesligasaison mit stolzen 15 Punkten Vorsprung auf den Vizemeister, eine weitere Enttäuschung gab es jedoch im DFB-Pokal-Finale, das am 12. Juni gegen den SV Werder Bremen im Elfmeterschießen verloren wurde.

• Paul Scholes musste neun Jahre warten, bis auch er aktiv mithelfen durfte, die UEFA Champions League zu gewinnen, 2008 setzte sich die Elf von Sir Alex Ferguson im Elfmeterschießen gegen Chelsea FC durch.

• Bayern revanchierte sich 2000/01 im Viertelfinale, als man sich nach zwei Spielen mit insgesamt 3:1 gegen ManU durchsetzen konnte. Im Endspiel schließlich siegten die Münchner gegen Valencia CF mit 5:4 nach Elfmeterschießen, nach 120 Minuten hatte es 1:1 geheißen.

• Ottmar Hitzfeld wurde zum zweiten Trainer nach Ernst Happel, der den Pokal der europäischen Meistervereine mit zwei Teams gewinnen konnte – 1997 hatte er schon mit Borussia Dortmund gegen Juventus triumphiert.

• Uniteds Dominanz in der Premier League hielt noch zwei Jahre an – insgesamt gewann ManU sechs der nächsten zehn Meisterschaften – doch im Viertelfinale 1999/2000 endete gegen Real Madrid CF der Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung in der UEFA Champions League.

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