Starkes United zwingt Juventus in die Knie

Delle Alpi, Turin – 21.04.1999 – Halbfinale
Juventus
Juventus
Inzaghi 6, 11
2 - 3
Man. United
  • Keane 24
  • Yorke 34
  • Cole 83
Man. United
Zurück aus der Versenkung

"Unglaublich, einfach unglaublich. Ein fantastischer Sieg" - Andrew Cole

1998/99

• Manchester United FC erzielte in der Gruppenphase einmalige 20 Tore - dabei gab es je ein 3:3 auswärts und zu Hause gegen den spanischen Meister FC Barcelona - und kam in die K.o.-Runde, obwohl man nur zwei der sechs Gruppenspiele gewinnen konnte.

• Juventus, Galatasaray AŞ und Rosenborg BK beendeten die Gruppe B mit jeweils acht Punkten; Türken und Norweger schieden aus, einzig Juve erreichte - mit nur einem Sieg - das Viertelfinale.

• FC Dynamo Kyivs Andriy Shevchenko und Manchester Uniteds Stürmer Dwight Yorke waren mit je acht Toren die besten Torschützen dieser Saison in der UEFA Champions League.

Obwohl Manchester United FC eigentlich schon am Abgrund stand, hatten sie einen Vorteil gegenüber Juventus - nämlich Roy Keane.

Es schien, als hätte United einen Mann mehr auf dem Feld, denn der Mittelfeldspieler aus der Republik Irland war einfach überall zu finden. Während er gerade noch einen eigenen Angriff einleitete, biss sich Juve im Gegenzug die Zähne an ihm aus.

Nachdem United ein paar Jahre zuvor noch als "Kindergartenmannschaft" betitelt worden war, hatten sich die Spieler aus der eigenen Jugend mittlerweile hervorragend entwickelt. Nach einem 1:1 im Hinspiel geriet man im Rückspiel aber schnell mit 0:2 in Rückstand und fiel wieder dem kindlichen Verhalten zum Opfer.

Filippo Inzaghi richtete mit seinem unglaublichen Killerinstinkt bereits frühen Schaden an. Gerade einmal sechs Minuten waren gespielt, da schüttelte der Italiener seinen Bewacher Gary Neville ab und drückte den Ball nach Vorarbeit von Zinédine Zidane aus kurzer Entfernung über die Linie. Kurze Zeit später gelang ihm sein zweiter Treffer, sein Schuss aus einem unglaublichen Winkel wurde von Jaap Stam unhaltbar abgefälscht und senkte sich über Peter Schmeichel ins Tor.

United brauchte nun plötzlich zwei Tore, aber sie hatten ja noch Keane, der kein Spiel einfach so verloren gab. Nach 24 Minuten zeigte der Ire ein gekonntes Timing bei einem Eckball von David Beckham und köpfte die Red Devils wieder in Schlagdistanz. Angelo Peruzzi im Tor der Gastgeber war chancenlos.

Unglücklicherweise handelte er sich nach einer guten halben Stunde eine Gelbe Karte ein, die ihn im Finale zum Zuschauen verdammte. Keane versteckte sich danach aber keineswegs, er war sogar noch motivierter, das Spiel zu drehen. Und seinem Team gelang nur wenige Minuten später der Ausgleich. Dwight Yorke löste sich geschickt von seinem Bewacher und köpfte den Ball nach Vorlage von Andrew Cole im Fallen vorbei an Peruzzi.

Yorke traf kurz vor der Pause noch das Aluminium, doch Juve kam in den zweiten 45 Minuten zunächst besser ins Spiel. Inzaghi, über den Sir Alex Ferguson einst sagte, "er wäre im Abseits geboren", traf erneut, doch dieses Mal eben genau aus einer solchen Abseitsposition.

United bekam den Fuß dann aber endlich wieder ins Spiel, doch Denis Irwin traf nur den Pfosten, mittlerweile schon zum zweiten Mal. Kein Problem, denn sieben Minuten vor dem Ende tanzte Yorke die Hintermannschaft von Juve aus, und bevor er von Peruzzi gestoppt werden konnte, legte er den Ball auf den mitgelaufenen Cole, der in das leere Tor einschieben konnte.

Für die zahlreich mitgereisten Fans gab es ob des ersten Einzugs in ein großes europäisches Finale seit 31 Jahren nun kein Halten mehr. Konnte es nach dem Sieg über Juventus überhaupt noch besser kommen? Selbst ohne Keane, es kam noch besser.

Schlüsselspieler

  • Inzaghi

    Nahezu zwei Jahrzehnte lang terrorisierte der Italiener als wahrer Abstauberkönig die gegnerischen Abwehrreihen. 1998 holte er mit Juventus den Scudetto, ehe er zum AC Milan wechselte, mit dem er 2003 im Finale der UEFA Champions League gegen seinen alten Klub triumphierte. Inzaghi wurde noch zwei weitere Male italienischer Meister und zeigte vor allem im Europapokal überragende Vorstellungen, vier Jahre später traf er im Endspiel gegen Liverpool FC gleich zweimal.

  • Cole

    Cole war weder mit außergewöhnlicher Schnelligkeit, noch mit auffallenden körperlichen Vorzügen ausgestattet. Seine herausragende Fähigkeit war sein feines Gespür dafür, immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu stehen. Nach einigen erfolgreichen Jahren bei Newcastle United FC wechselte er für eine in England zum damaligen Zeitpunkt noch nie dagewesene Ablösesumme zu Manchester United FC. Cole gewann unter Trainer Sir Alex Ferguson fünfmal die Premier League, zweimal den FA Cup und im Jahr 1999 die UEFA Champions League, wobei er mit Dwight Yorke und Teddy Sheringham ein herausragendes Sturmdreieck bildete.

     

  • Keane

    Der impulsive und aggressive Keane verlieh dem Begriff des "Mittelfeld-Motors" eine ganz neue Bedeutung. Eric Cantonas Nachfolger als Kapitän von Manchester United FC gewann in seiner Zeit im Old Trafford siebenmal die Premier League und viermal den FA Cup. Das Finale der UEFA Champions League 1998/99 verpasste Keane aufgrund einer Gelbsperre aus dem denkwürdigen Halbfinale gegen Juventus, wo er eines seiner besten Spiele ablieferte. Mit Celtic FC gewann der irische Nationalspieler noch die schottische Meisterschaft, ehe er die Trainerlaufbahn einschlug.

Was passierte als nächstes?

• Manchester United FC holte sich den zweiten Titel in einem dramatischen Finale gegen den FC Bayern München. Nach Mario Baslers früher Führung drehten Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjær das Spiel mit zwei Toren in der Nachspielzeit.

• United machte mit der sechsten englischen Meisterschaft in acht Jahren und dem Finalsieg im FA Cup gegen Newcastle United FC das Triple perfekt.

• Juventus belegte mit 16 Punkten Rückstand auf Meister AC Milan den sechsten Platz in der Serie A. Marcello Lippi musste für Carlo Ancelotti Platz machen, doch nach zwei zweiten Plätzen kehrte Lippi im Sommer 2001 wieder zurück.

•  Während Lippis zweiter Amtszeit gab es in der zweiten Gruppenphase der UEFA Champions League 2002/03 zwei Niederlagen gegen United. Dennoch zog Juve ins Finale im Old Trafford ein, verlor im Elfmeterschießen dann aber gegen Milan.

• Sir Alex Ferguson ist seit nunmehr über 25 Jahren Trainer bei United und erreichte in der Folge noch drei weitere Male das Finale der UEFA Champions League. Dem Sieg aus dem Jahr 2008 stehen zwei Niederlagen gegen den FC Barcelona in den Jahren 2009 und 2011 gegenüber.

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